Der Arbeit des Acud Mädchenclubs ist gefährdet!
Wir beteiligen uns an den Protesten gegen die geplanten Kürzungen im Jugendbereich

Der Bezirk Mitte ist verschuldet. 26 Millionen Euro müssen eingespart werden, sonst droht die Zwangsverwaltung. Die Konsequenz daraus scheint zu sein: Jugendarbeit ist nicht mehr finanzierbar. Bis zu 3,3 Millionen will die Bezirksverordnetenversammlung im Jugendbereich einsparen, davon 800.000 Euro bei freien Trägern. Das bedeutet für viele Einrichtungen die Schließung und die Abschaffung von bis zu 30 Sozialarbeiter/innen- und Erzieher/innen-Stellen. Beschlossen wurde das ohne Absprache mit den Betroffenen. Der Bezirksstadtrat für Jugend und Finanzen, Rainer-Maria Fritsch, hat den Jugendhilfeausschuss vor vollendete Tatsachen gestellt.
Auch der ACUD-Mädchenclub ist betroffen. Für unsere Mietkosten ist kein Geld mehr da. Im Vergleich zu den absurd hohen Summen, um die es geht, ist unsere Miete lächerlich gering. Für uns bedeutet das aber ein Ende der bisherigen erfolgreichen Arbeit. Unser Angebot erreicht Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, die hier ernst genommen werden, einen offenen Raum finden und an vielen kreativen Projekten teilnehmen können.
Seit 1996 befindet sich der Mädchenclub in den Räumen des Kunsthauses Acud. Freizeit- und Bildungsangebote gehören ebenso wie die Beratung von Mädchen zu unserem Programm. Die Zusammenarbeit mit den anderen kulturellen Projekten im Haus ist ein zentraler Teil unserer Arbeit. Der Vorschlag des Bezirksamtes, in bezirkseigene und damit kostenfreie Räume umzuziehen, ist deshalb für uns keine Alternative. Mit der Bündelung mehrerer Einrichtungen an einem Ort will der Bezirk nicht nur Nebenkosten, sondern auch Personalgelder einsparen. In der Schwedter Straße soll deshalb ein “Leuchtturm” aufgebaut werden, an dem unterschiedliche Angebote versammelt werden. Dort befinden sich mit dem Kinderring Berlin und dem Kult im Familienhaus bereits zwei Einrichtungen. Auch an ihren Kosten soll durch die Umstrukturierung gespart werden. Die bisherige dezentrale Arbeit, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richtet, wäre damit beendet.
Wir sind nicht die Einzigen. Betroffenen sind zahlreiche Einrichtungen wie Freizeitclubs, Beratungsstellen und Schulgärten. Gerade im Bezirk Mitte gibt es jedoch schon jetzt nicht genug Jugendeinrichtungen. Dass für Bildung und Jugendarbeit in Deutschland viel zu wenig Geld ausgegeben wird, hat selbst die OECD schon kritisiert. In einer aktuellen Studie hat sie gezeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich der Industrieländer fast das Schlusslicht bildet: Ganze 4,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes stehen hier für die Bildung zur Verfügung. Nur Irland, die Slowakei, Spanien und die Türkei geben noch weniger aus.
Die Schulden des Bezirks haben wir nicht verursacht. Unsere wichtige Arbeit lassen wir uns nicht zerstören. Wir wehren uns gegen die kurzsichtigen Sparmaßnahmen des Senats und des Bezirks Mitte. Am 17. September 2009 haben wir uns an einer ersten Protestaktion vor der Bezirksverordnetenversammlung Mitte (BVV) beteiligt. Über 100 Kinder, Jugendliche und Sozialarbeiter/innen haben dort mit Transparenten und Redebeiträgen für eine Einstellung der Kürzungen demonstriert. Auch der Acud Mädchenclub war dabei.

Und der Protest geht weiter. Am 15. Oktober findet in ganz Berlin eine Demonstration gegen die geplanten Kürzungen statt. Startpunkte sind
16:30 Uhr: S-Bahnhof Schönhauser Allee
S-Bahnhof Gesundbrunnen
S-Bahnhof Warschauer Straße
16 Uhr: U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof
Um 18 Uhr geht es gemeinsam vom Roten Rathaus zum Potsdamer Platz.
Wir lassen uns nicht kaputtsparen. Kommt zahlreich zur Demonstration!
Weitere Informationen und eine Vorlage für ein Protestschreiben an den Stadtrat gibt es unter http://wiederstandmitte.blogspot.com/.